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Tulpe - Sultans liebstes Zwiebelchen

Schon mal was von Tulipomanie gehört? Da kann man über nichts anderes mehr reden als über Tulpen. Man denkt an Tulpen, träumt von Tulpen und will unbedingt Tulpen kaufen und vielleicht teuer wieder verkaufen! Also diese Blumen, die aus Tulpenzwiebeln herauswachsen. Das ist kein Witz! Diese "Krankheit" gab es wirklich mal. Früher, vor ungefähr 450 Jahren, war sie sehr gefährlich.

Damals war die Tulpe eine sehr berühmte und unglaublich kostbare Blume. So teuer waren Tulpen, dass man sich für eine Zwiebel von einer besonders hübschen bunten Tulpe mit gefiederten Blütenblättern ein ganzen Haus kaufen konnte! Es gab reiche Adelige, die für eine einzige Tulpe ein ganzes Zimmer mit lauter Spiegeln an den Wänden gebaut haben: ein Spiegelkabinett, in dem mitten drin ihre Tulpe stand. Dann sah es aus, als wäre es in Wirklichkeit ein ganzes Tulpenbeet.
Kostbare Blumen, damals...

Das war zu einer Zeit, als die ersten Tulpen gerade aus dem Orient zu uns gebracht wurden. Dort hatte der Herrscher des großen osmanischen Reiches, der Sultan seinen Palast, den Serail mit so vielen Tulpen schmücken lassen, dass sein Volk ihn "Palast der Tulpen und der Tränen" nannte. (Wo das mit den Tränen herkommt weiß ich auch nicht.) Der Sultan liebte die Tulpen wirklich sehr: Tulpen waren auf den Fliesen mit denen die Wände gekachelt waren, auf den Vasen, sogar auf dem Stoffe aus dem er sein Gewand nähen ließ und auf seinem Herrscherwappen.

Bei uns ließen sich Kaufleute und Bürger, die sich keine eigene Tulpen leisten konnten ein Ölgemälde von einer besonders schönen Tulpe malen. Verrückt, oder? Wo wir die Tulpen heute einfach so im Supermarkt kaufen können. Und gleich einen ganzen Strauß!

Anja Mösing / Bayerischer Rundfunk Online
(http://www.br-online.de/kinder/fragen-verstehen/wissen/2003/00332/)

 

"Lale" - Eine Blume erobert das Osmanenreich
( Auszug aus Website: http://www.tuerkenbeute.de/kun/kun_eur/TulpeUndKaffee_de.php )
Die Heimat der Tulpe lag wahrscheinlich in Persien oder im Schwarzmeer-Gebiet. Auch auf dem Balkan schien es eine wild blühende Tulpenart gegeben zu haben. Von dort brachten die Osmanen die Tulpe als Handelsartikel nach Konstantinopel. Die Wildblume wurde domestiziert und gezüchtet und spielte bald eine bedeutende Rolle in der osmanischen Gartenkultur. Die Wohlhabenden kultivierten sie in ihren Gärten. Vor allem in den Gartenanlagen des großherrlichen Hofes betrieb man großen Aufwand mit blühenden Blumen. Bereits Mehmet II. (reg. 1451-1581) ließ um das Topkapi Serail riesige Blumengärten mit Rosen, Hyazinthen, Nelken, Lilien, Narzissen, Veilchen, Levkojen, Krokussen und natürlich Tulpen bepflanzen, die von 900 Gärtnern gepflegt wurden. Der französische Botaniker Pierre Belon, der 1546 in die Türkei reiste, meinte “Kein Volk findet mehr Gefallen am Blumenschmuck oder wüsste ihn mehr zu schätzen als das türkische.“ Seit der Ära Süleymans d. Pr. (reg. 1520-1566) herrschte ein regelrechter Tulpenwahn in Istanbul, so dass sich ein lebhafter Handel mit der begehrten Blume, für die man astronomische Preise zahlte, entwickelte. Selim II. (reg. 1566-1574) bestellte in einem Jahr 50 000 Tulpenzwiebeln. Einen Höhepunkt ihrer Beliebtheit erreichte die Tulpe in der nach ihr benannten Tulpenzeit 1703-1730 (lale devri), der Regierungszeit Ahmets III. (reg. 1703-1730). In den großherrlichen Gärten, die nachts hell erleuchtet wurden, feierte man Tulpenfeste, und an jedem Tulpenbeet zeigte ein silberner Schriftzug den Namen der Blume an.

Die Osmanen kreierten zahlreiche neue Tulpenzüchtungen. Sie bevorzugten einfarbige Blumen mit schmalem länglichen Blütenkopf und sechs nadelartig spitz zulaufenden Blütenblättern. Seit der Zeit Mehmets IV. (reg. 1648-1687) gab es eine offizielle Tulpenliste, in der die teuersten Tulpensorten aufgeführt waren. Die Blumen trugen oft poetische Bezeichnungen z.B. “Die mir das Herz verbrennt, “Glücksstern“, “Licht der Gedanken“ oder “Gesicht der Geliebten“. Auf Wettbewerben wurden - nach dem strengen Kriterienkatalog türkischer Floristen - die besten Züchtungen ausgezeichnet. Die “Aufzeichnungen eines Istanbuler Tulpenzüchters“ aus der Feder von Ali Amiri Efendi Kutuphanesi zählten 1108 Tulpenarten auf, die um die Wende vom 17. zum 18. Jh. in Konstantinopel bekannt waren.

Auch in der bildenden Kunst der Osmanen war die Tulpe ein immer wiederkehrendes Motiv. Man fand sie im Dekor von bemalten Handschriften, Textilien oder Keramikfliesen ebenso wie als Ornament auf allerlei Gebrauchsgegenständen bis hin zu Waffen.

Die osmanische Bezeichnung für Tulpe - "lale" - leitete sich aus dem persischen "laleh" ab. Las man dies rückwärts, ergab sich das Wort “helal“ - Halbmond. Dieser, als ein wichtiges Symbol des Islam, versinnbildlichte Helligkeit, Glanz, Erleuchtung, aber auch Macht. Zudem setzte sich das Wort "lale/laleh" aus denselben Buchstaben zusammen, wie der Name Allahs: alif, lam und ha. Einige Forscher glauben, dies sei der Grund für das häufige Erscheinen der Tulpe in der osmanischen Kunst und postulieren eine symbolhafte Verwendung des Motivs.

 

"Tulipa Turcarum" - Wie die Tulpe nach Europa kam
( Auszug aus Website: http://www.tuerkenbeute.de/kun/kun_eur/TulpeUndKaffee_de.php )
Vor dem 16. Jh. war die Tulpe in Europa unbekannt. Die erste Nachricht stammte von Ogier Ghiselin de Busbecq (1522-1592), dem Gesandten Kaiser Ferdinands I. (reg. 1556-1564) in Konstantinopel. In einem Brief aus dem Jahr 1555 schrieb er von den “tulipa turcarum“ (Tulpen der Türken) und übersetzte auch den Namen der “Blumen nahe Konstantinopels, welche die Türken Tulipan nennen. Tülbend aber ist die türkische Form des persischen Wortes dulband, mit dem das rote Turbantuch bezeichnet wird.“ Tatsächlich hieß die Tulpe, vielleicht wegen ihrer turbanähnlichen Blütenform, im türkischen Volksmund Turbanblume (osman. tülband-lalesi). Busbecq schickte Samen und Zwiebeln der Tulpe nach Europa, u.a. zum Wiener Arzt Petrus Andreas Matthioli (1501-1577), der in seinem berühmten Kräuterbuch die erste Illustration der Tulpe veröffentlichte, aber auch zu Charles de Lécluse (Carolus Clusius) (1526-1607), der zuerst in Wien, dann in Leiden Hofbotaniker war. Dieser züchtete als erster Tulpen in den Niederlanden, allerdings nur zu wissenschaftlichen Zwecken. Den freien Verkauf der Tulpe verbot er. Nachdem ihm aber einige Exemplare gestohlen wurden, wurde das Gewächs von den Dieben auf den freien Markt gebracht. Kurz darauf gelangten Tulpenzwiebeln auch über die Handelswege nach Europa, zuerst nach Österreich und Italien, dann nach Holland, England und Frankreich.

Binnen kürzester Zeit entwickelte sich die Pflanze - anfänglich ein Kuriosum, Forschungs- und Sammelobjekt für Liebhaber und Wissenschaftler - zur allseits beliebten Modeblume. Schnell steigerte sich die Begeisterung zu einem regelrechten Tulpenfieber. Jeder wollte die exotische Blume besitzen. Im 16. Jh. erschien sie als Motiv in der europäischen Malerei, vor allem den zahlreichen Blumenstillleben. Später entstanden Tulpenbücher - Kataloge, in denen einzelne Tulpensorten beschrieben und gemalt waren. Diese “Werbemittel“ priesen den Kaufinteressenten die Ware an. In Europa liebte man - anders als im Osmanischen Reich - Tulpen mit großen, kelch- oder becherförmigen Blüten. Man bevorzugte geflammte, zweifarbige Exemplare, vor allem rot-weiß oder lila-weiß gestreifte oder solche in Rosa-Farbtönen.

In den Niederlanden wurde die Tulpenliebhaberei zur Sucht und gipfelte in den 30-40er Jahren des 18. Jh. in der sog. Tulpomanie. Immer neue Züchtungen kamen auf den Markt, die Preise stiegen ins Unermessliche. Der Handel mit Tulpen und die Tulpenzucht wurden zum Spekulationsgeschäft, die Pflanze selbst zum Investitionsobjekt, das zeitweise wertvoller als Gold und Diamanten war. Eine Tulpe der Sorte “Semper Augustus“ wurde für 4 600 Gulden einschließlich einer neuen Kutsche mit zwei Apfelschimmeln verkauft, andere waren so viel wert wie ein Haus in Amsterdam. Bevor man durch gesetzliche Verordnungen diesen Missbrauch beenden konnte, brach der Markt zusammen, und zahlreiche Spekulanten waren ruiniert. Dennoch blieb die Tulpe noch längere Zeit ein begehrter Modeartikel. Holland entwickelte sich zum Zentrum von Tulpenzucht und -handel, der von hier aus weltweit betrieben wurde. Daher galt ab dem 19. Jh. die Tulpe gleichsam als Symbol der Niederlande.

http://www.tuerkenbeute.de/kun/kun_eur/TulpeUndKaffee_de.php