Presse

Montag, 06. Februar 2006

Tulpenverkauf für bessere Ausstattung von Schulen

Bildungssenator will den rund 600 Vorklassenleiterinnen neue Aufgaben geben

von fü

Tulpenverkauf für bessere Ausstattung von Schulen
Nach der erfolgreichen Premiere im Vorjahr wird es auch in diesem Jahr wieder die Aktion "Tulpen für Tische" geben. Unterstützt vom Berliner Blumengroßmarkt wollen engagierte Eltern, Schüler und Lehrer am 14. Februar, dem Valentinstag, und am Wochenende davor mehr als 13 000 Tulpen verkaufen, um so Geld für eine bessere Ausstattung ihrer Schulen sammeln. "Wegen der jahrelangen finanziellen Unterversorgung sind viele Schulen marode und zudem teilweise sehr schlecht ausgestattet", sagt Astrid Lohss, Initiatorin der Aktion. Besonders prekär sei die Lage an den Grundschulen, wo es aufgrund der Schulreform deutlich mehr Erstkläßler gibt als in den Jahren zuvor. Vor einem Jahr haben Mitglieder von Schul-Fördervereinen über 8000 Tulpen verteilt und dabei Spenden in Höhe von mehr als 17 000 Euro eingenommen. Das Geld wurde für den Kauf kindgerechter Schulmöbel, aber auch für Mikroskope und Lehrmaterial für den naturwissenschaftlichen Unterricht verwandt. Bislang beteiligen sich 14 Schulen an der Aktion, weitere interessierte Schul-Fördervereine können sich aber noch bis Donnerstag melden. Weitere Infos: Tel.: 84 41 58 85.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Montag, 28. Februar 2005

Teilweiser Gehaltsverzicht für Erzieher

Bildungssenator will den rund 600 Vorklassenleiterinnen neue Aufgaben geben

von chb

Bildungssenator Klaus Böger (SPD) könnte ein neuer juristischer Streit ins Haus stehen. Denn ein großer Teil der etwa 600 Vorklassenleiterinnen des Landes soll auf einen Teil ihres Gehaltes verzichten. Sollte es Änderungskündigungen geben, will die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) klagen. Hintergrund: Böger will die Vorklassen mit Ende dieses Schuljahres abschaffen und die Vorklassenleiterinnen in die Arbeit in der neuen Schulanfangsphase integrieren. "Damit fällt das Aufgabengebiet dieser Mitarbeiter weg. Das Land ist deshalb nicht verpflichtet, die volle Gehaltssumme weiter zu zahlen", sagte der Sprecher der Senatsfinanzverwaltung, Matthias Kolbeck.

Man habe sich mit der Bildungsverwaltung aber auf einen Kompromiß verständigt. Vorklassenleiterinnen, die länger als zehn Jahre im Landesdienst beschäftigt sind, sollen zeitlich befristet eine Zulage erhalten, die die Differenz zwischen dem alten und dem neuen Gehalt ausgleicht. Für diejenigen, die noch nicht so lange dabei sind, werde es eine einmalige Prämie geben. Über die Höhe dieser Zuwendung wollte Kolbeck ebenso wenig sagen wie über die Dauer der Befristung.

Nach Informationen dieser Zeitung soll die Frist fünf Jahre betragen. Auf welcher Basis die Vorklassenleiterinnen dann später vergütet werden, hänge von ihrer Tätigkeit in der Schule ab.

Genau das ist allerdings noch unklar. "Die Vorklassenleiterinnen sind Erzieherinnen. Sie dürfen alles machen, was mit Erziehen von Kindern zu tun hat, aber sie dürfen keine Lehrer ersetzen", sagte ein Sprecher des Bildungssenators. Fest steht nach Informationen dieser Zeitung auf jeden Fall, daß sie nicht mehr eigenständig arbeiten sollen. Für den eigenverantwortlichen Einsatz in Vorschulen und ersten Klassen waren die Vorklassenleiterinnen aber durch eine Zusatzausbildung qualifiziert worden. "Es ist pädagogisch völlig unsinnig, die Vorklassenleiterinnen künftig nur noch für die Betreuung von Kindern einzusetzen", moniert Ilse Schaad vom GEW-Vorstand. Zudem habe die Zusatzqualifikation das Land zu viel Geld gekostet, um diese dann brach liegen zu lassen. chb

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Donnerstag, 24. Februar 2005

CDU: Leiterinnen der Vorklassen richtig einsetzen

von chb

Die CDU fordert von Schulsenator Klaus Böger (SPD), Vorklassenleiterinnen auch künftig fachgerecht einzusetzen. Es dürfe nicht sein, daß die Fachkräfte nach Abschaffung der Vorklassen mit Beginn des neuen Schuljahres nur noch als Lückenbüßer im Betreuungsbereich der Grundschulen eingesetzt würden, kritisiert CDU-Bildungsexpertin Katrin Schultze-Berndt: "Der Senator muß endlich verbindliche Zusagen über den Einsatz machen." Die Vorklassenleiterinnen seien hoch qualifizierte Kräfte mit Erfahrung im Anfangsunterricht. "Eine solche Bildungsreserve darf nicht vergeudet werden." chb

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


Samstag, 12. Februar 2005

Schüler verkaufen Blumen - Erlös kommt Schulen zugute

von RAA

Berlin - Kaputte Tische und Stühle, stinkende Toiletten, veraltetes Material - daß Berliner Schulen sich in einer desolaten Situation befinden, ist hinlänglich bekannt. Geld zur Behebung der Mißstände ist nicht vorhanden. Deshalb wollen Eltern und Schüler aus acht Bezirken nun selbst etwas einzunehmen. An diesem Wochenende und am Montag, dem Valentinstag, treten sie mit der Aktion "Tulpen für Tische" in die Öffentlichkeit: Schüler und Eltern verkaufen jeweils ab 8 Uhr an 30 Plätzen, Bahnhöfen und auf Wochenmärkten Tulpen, Schokoladenpräsente und Grußkarten zum Valentinstag. Mit dem Erlös soll die Ausstattung an den Schulen verbessert werden. "Dabei geht es nicht nur um Tische", sagt Astrid Lohss, Mitinitiatorin der Aktion. "Es fehlt an allem. Wo die Mittel eingesetzt werden, entscheiden die Schulen selbst."
Unterstützt wird die Aktion bisher vom Berliner Blumengroßmarkt in Kreuzberg, der 8000 Tulpen und Verpackungsmaterial gesponsert hat, sowie den Hussel-Süßwaren-Fachgeschäften, die Goldtaler zur Verfügung stellten.

Konto: Tulpen für Tische, Konto 33 022 700 22, Berliner Volksbank, Bankleitzahl 100 900 00.

Auf einer Website kann das Spendenaufkommen beobachtet werden: Je höher die Summe, desto farbiger wird das Bild. RAA

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Freitag, 4. Februar 2005

Zu wenige Lehrer: Eltern übernehmen Unterricht

Besonders in Mangelfächern wie Latein und Griechisch fehlen Pädagogen
- Verwaltung in der Kritik

von Christa Beckmann

Die Schulen sind ausreichend mit Lehrern versorgt, sagt Schulsenator
Klaus Böger (SPD). Doch die Realität sieht anders aus. Am Gymnasium
Steglitz stellen sich jetzt sogar Eltern hinter das Pult, um Latein
und Griechisch zu unterrichten. Erst Ende vergangenen Jahres hatten
Väter und Mütter an einer Reinickendorfer Grundschule stundenweise die
Aufsicht in einer zweiten Klasse übernommen, weil es keinen Ersatz für
eine erkrankte Lehrerin gab.

"Wir hatten uns darauf verlassen, daß das Problem von der Verwaltung
gelöst wird, aber es ist nichts passiert", begründet die
Gesamtelternratsvorsitzende des Gymnasiums Steglitz, Marie-Catherine
von Heeremann, die Elterninitiative. Dabei sei es lange absehbar
gewesen, daß an der Schule eine Lehrerin für Latein und Griechisch zum
31. Dezember 2004 in den Ruhestand gehen würde. Der Schulleiter habe
bereits Monate vorher Ersatz beantragt. Als Ende Januar immer noch
niemand da war, haben die Eltern in der Senatschulverwaltung
vorgesprochen, wo ihnen versichert wurde, daß eine befristete Stelle
zum 1. März ausgeschrieben werde.

Die alten Sprachen sind nicht die einzigen Fächer, in denen sich die
Gymnasiasten mit Notlösungen begnügen müssen. Auch in Deutsch,
Mathematik, Erdkunde und Musik habe ihre Tochter in der 10. Klasse nur
Vertretungsunterricht, ärgert sich Simone Ladwig-Winters: "Das ist ein
untragbarer Zustand." In der Senatsverwaltung schiebt man die Schuld
von sich. "Für den reibungslosen Ablauf von Vertretung und
Neubesetzung haben die Schulen und die örtliche Schulaufsicht zu
sorgen", sagte ein Sprecher Bögers. Verfehlungen und Versäumnisse
würden untersucht und geahndet. Der Senator habe die Schule
angewiesen, bis Montag schulintern für Vertretung zu sorgen.

Der Schulleiter wollte sich gestern nicht äußern. Nach der Statistik,
die die Bildungsverwaltung ins Netz stellte, ist das Gymnasium
Steglitz am schlechtesten von allen Gymnasien im Bezirk mit Lehrern
versorgt. Selbst eine beeindruckende Statistikzahl sage allerdings
wenig über die tatsächliche Situation aus, beklagen Schulen, weil
immer wieder kurzfristig Lehrer ausfielen. "Wir haben keinerlei
Vertretungsreserve", warnt Rolf Völzke, Leiter des Wittenauer
Romain-Rolland-Gymnasiums. Für zwei fehlende volle Stellen habe er zum
Halbjahr nur die halbe Stundenzahl Ersatz bekommen.

"Wir verteilen den Mangel nur", heißt es auch in der
Fritz-Karsen-Gesamtschule in Britz. Besonders in Spanisch, Informatik,
Chemie und Musik fehlten Lehrer. Dabei habe die Schule seit 1992 etwa
60 Referendare ausgebildet, auch in Mangelfächern. 90 Prozent davon
hätten keine Anstellung in Berlin bekommen, viele seien in andere
Länder abgewandert.

"Tschüß, Herr Böger - uns reicht's!" heißt denn auch eine
Protestaktion von arbeitslosen Junglehrern auf dem Bahnhof Zoo, die
Berlin am 9. Februar demonstrativ den Rücken kehren wollen. "Die
Einstellungszahlen sind von ursprünglich 1000 auf mittlerweile 140
zurückgefahren worden", kritisiert GEW-Chef Ulrich Thöne. Ohne
Neueinstellungen sei nicht nur die Unterrichtsversorgung gefährdet.
Auch die Reformvorhaben ließen sich so nicht realisieren.