Presse

 

Sonntag, 17. Februar 2008

Bunte Tulpen gegen den Sanierungsstau

Zum Abschluss der Aktion "Tulpen für Tische" hat Initiatorin Astrid Lohs gestern eine positive Bilanz gezogen. Eltern, Schüler und Lehrer von 33 Berliner Schulen hatten seit Donnerstag an belebten Orten Tulpen verkauft, um mit den Einnahmen Sanierungsarbeiten zu finanzieren, für die den Bezirken das Geld fehlt. Am Valentinstag seien an einzelnen Ständen mehr als 1000 Euro zusammengekommen, sagte Lohs. Das Gesamtergebnis soll in zwei Wochen feststehen.


Das Prinzip der Aktion ist einfach. Die Schulen erwerben beim Blumengroßhandel Tulpen für 10 Cent pro Stück und verkaufen diese weiter. Wie viel die Passanten bezahlen, könnten sie selber entscheiden. Den Gewinn wollen die Schüler für den Kauf von Tischen, Stühlen oder Farbe für den Klassenraum verwenden. Der Landesrechnungshof schätzt den Sanierungsbedarf aller Berliner Schulen auf etwa 1,5 Milliarden Euro.

Ärger hatten die Organisatoren der seit 2005 erfolgreichen Aktion in diesem Jahr in Schöneberg. Für die Genehmigung eines Standes vor dem Rathaus sollten sie 30 Euro Bearbeitungsgebühr bezahlen. Stadtrat Oliver Schworck (SPD) versprach gestern, den Vorgang zu überprüfen. Grundsätzlich sei der Bezirk an die Gebührenordnung gebunden, sagte Schworck. Sollte aber in den anderen Bezirken einvernehmlich darauf verzichtet werden, "bin ich der Letzte, der auf die Zahlung besteht."

ari/fal

Aus der Berliner Morgenpost vom 17. Februar 2008

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Samstag, 09 Februar 2008

Tulpen schenken und Schulen helfen

Am Valentinstag verteilen Schüler, Lehrer und Eltern Tulpen, um auf Missstände bei den Schulgebäuden und auf die zum Teil schlechte Ausstattung der Berliner Schulen hinzuweisen. Für die Tulpen erhoffen sie sich im Rahmen der Initiative "Tulpen für Tische" kleine Spenden, die den teilnehmenden Schulen zugute kommen sollen. Die Aktion fand erstmals 2005 statt, als es für die große Zahl der ABC-Schützen nicht in ausreichender Anzahl Tische gab. www.tulpen-fuer-tische.de

BM

Aus der Berliner Morgenpost vom 9. Februar 2008

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Dienstag, 13. Februar 2007

Eltern starten Spendenaktion

Protest gegen unsanierte Schulgebäude und Lehrermangel

Stinkende Toiletten, undichte Dächer, blätternder Putz, morsche Fensterrahmen, veraltetes Mobiliar: Viele Berliner Schulen präsentieren sich alles andere als einladend. Auf rund 1,5 Milliarden Euro schätzen Experten den Sanierungsbedarf. Geld, das der Senat nicht hat. Also greifen Eltern und Schulen zur Selbsthilfe.

Unter dem Motto "Tulpen für Tische" sammeln sie auch in diesem Jahr wieder Geld für Not leidende Schulen. An mehr als 20 Orten können Berliner am kommenden Wochenende wieder Tulpen gegen eine kleine Spende "erwerben". Erstmals im Angebot sind dieses Jahr auch drei Tonnen Äpfel, die die Veranstalter unter dem Motto "Früchte für Freistunden" an die Berliner bringen wollen. "Wir wollen damit nicht nur auf die schlimmen räumlichen Mängel, sondern auch auf die eklatanten Defizite in der Personalausstattung der Schulen hinweisen", sagt Architektin Astrid Lohss, die die Aktion organisiert.

Für die Selbsthilfe der Bürger stellt der Berliner Blumengroßmarkt günstig Tulpen zur Verfügung, der Fruchtgroßhandel spendiert das Obst. Knapp 22 600 Euro haben die Organisatoren bislang für eine bessere Ausstattung der Schulen gesammelt.

Schulen, die noch Interesse haben, bei der Aktion mitzumachen, können sich auf der Internetseite der Organisatoren unter www. tulpen-fuer-tische.de informieren und anmelden. Näheres zu der Aktion am kommenden Wochenende erhalten Interessierte unter Tel.: 84 41 58 85.

chb

Aus der Berliner Morgenpost vom 13. Februar 2007

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Freitag, 12. Januar 2007

Asbest-Alarm: Schule muss schließen

Das Bezirksamt hat entschieden: In spätestens zwei Jahren ist Schluss an der Monumentenstraße

Von Isabell Jürgens

Schöneberg Das Kinderzentrum Monumentenstraße mit der Schwielowsee-Grundschule wird entgegen bisherigen Planungen nicht saniert und muss innerhalb der kommenden zwei Jahre schließen. In knappen Worten teilten Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) und Schulstadtrat Dieter Hapel in einer eilends anberaumten Pressekonferenz die Entscheidung des Bezirksamtes mit.


"Nach Abwägung aller Faktoren mussten wir von der vorgesehenen Sanierung der Schule Abstand nehmen", so Band. Grundlage für die überraschende Entscheidung seien die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe gewesen, die dem Bezirksamt seit Montag vorliegen. Auf der Bezirksamtssitzung am Dienstag sei dann die Entscheidung gefallen, die Schule nicht in die Investitionsplanung 2007-2011 aufzunehmen. "Der Sanierungsbedarf an allen Schulen im Bezirk Tempelhof-Schöneberg beläuft sich auf knapp 80 Millionen Euro", so Band weiter. Das Volumen der jährlichen Investitionsplanung beinhalte aber lediglich vier Millionen Euro. "Vor diesem Hintergrund können wir nicht für die Asbestsanierung einer einzelnen Schule 11,5 Millionen Euro ausgeben."


Eltern fühlen sich getäuscht
"Fassungslos und geschockt", reagierte gestern die Elternvertreterin Christine Hartwig auf den Schließungsbeschuss. "Auf der Schülerdemo am Nikolaustag sah es so aus, als hätte unsere Schule eine Zukunft." Damals hatte Bürgermeister Band den Eltern vor dem Rathaus Schöneberg mitgeteilt, dass der Auslagerungstermin im Februar 2007 aufgehoben sei und zugesagt, das über die Zukunft der Schule "offen diskutiert" werde: "Wir fühlen uns verschaukelt", sagt die Elternsprecherin. Auf der Schulkonferenz am Montag würden alle Eltern über die Entscheidung informiert und darüber beraten, wie es nun weitergehen soll.

"Eine riesige Enttäuschung", kommentiert Schulleiterin Marion Dießelberg das Aus für ihre Modellschule, die in den 70er-Jahren als erste Ganztagsschule in West-Berlin eröffnet wurde. "Wir haben mehr als vier Jahre mit den Eltern gekämpft." Der Schock sitze momentan so tief, dass sie noch nichts darüber sagen könne, wie es nun weitergehen soll: "Mit dieser Entscheidung zu diesem Zeitpunkt haben wir überhaupt nicht gerechnet." Sie werde umgehend alle Lehrer und Erzieher informieren.

Getäuscht fühlen sich auch die Bezirksverordneten: "Gerade haben wir im Haushaltsausschuss beschlossen, dass wir am 18. Januar über das Thema beraten und erfahren jetzt, dass die Entscheidung bereits gefallen ist", so FDP-Fraktionschefin Monika Schuch.


Wende um 180 Grad
Jörn Oltmann von den Grünen wirft Schulstadtrat Hapel ein "desaströses Vorgehen" vor und forderte ihn auf, "seinen Hut zu nehmen". Noch im Dezember habe der Stadtrat öffentlich den Bedarf an der Schule bestätigt: "Und jetzt vollzieht Hapel eine Wende um 180 Grad", so Oltmann.

Hapel wies darauf hin, dass die Senatsverwaltung erst im Sommer vergangenen Jahres den Bedarf für eine vierzügige Grundschule an diesem Standort aberkannt hatte. "Es macht keinen Sinn, die Schule in die bezirkliche Investitionsplanung aufzunehmen, wenn die Senatsverwaltung den Bedarf nicht akzeptiert." Der politische Wille, die Schule zu erhalten, sei immer da gewesen, versicherte er: "Von einer Täuschung der Eltern kann keine Rede sein." Alle Versuche, für das "schulpolitische Juwel" Unterstützung auf Senatsebene zu finden, seien gescheitert: "Rechnungshof und Schulverwaltung haben klargemacht, dass allein die Schülerzahlen in der Region zählen - die Qualität der Schule spielt keine Rolle."

Als Konsequenz aus dem Schließungsbeschluss werden nun im kommenden Schuljahr keine ersten Klassen mehr eingerichtet. Die Schule könne noch ein bis zwei Jahre am Standort Monumentenstraße bleiben: "Sollten die aktuellen Messungen, deren Ergebnis noch aussteht, eine Asbestbelastung der Raumluft ergeben, werden wir selbstverständlich schneller handeln", so der Schulstadtrat.

Aus der Berliner Morgenpost vom 12. Januar 2007

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Montag, 06. Februar 2006

Tulpen für Tische

Eltern und Schüler verkaufen am Valentinstag und am Wochenende davor wieder Tulpen, um Geld für marode Schulgebäude zu sammeln. Der Berliner Blumengroßmarkt stellt dafür Tulpen günstig zur Verfügung. 14 Schulen machen bislang mit bei der Aktion; weitere interessierte Schulen können sich noch bis 9. Februar anmelden. Infos und Anmeldung im Internet unter: www.tulpen-fuer-tische.de

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Montag, 25. April 2005

Tulpen für Tische

Die Aktion "Tulpen für Tische" lädt am Sonnabend (14 Uhr) zu einer musikalischen Benefizveranstaltung im Botanischen Garten ein. Wie schon am Valentinstag will die Initiative auf den desolaten Zustand vieler Berliner Schulen aufmerksam machen. Die United Big Band - in der Schüler mehrerer Berliner Schulen auf hohem Niveau Musik machen - ist am Sonnabend dabei. Schauspieler Volker Model trägt Ironisches von Tucholsky zum Thema Bildung vor. Dank der Unterstützung des Blumengroßmarkts Berlin werden für die Spendenaktion von "Tulpen für Tische" wieder mehrere tausend Tulpen versteigert. Weitere Infos unter www.tulpen-fuer-tische.de

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Montag, 28. Februar 2005

Berlin will Erziehern weniger Geld zahlen

Berlin - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) droht Bildungssenator Klaus Böger (SPD) mit Klage. Denn ein großer Teil der etwa 600 Vorklassenleiterinnen soll auf einen Teil des Gehalts verzichten. Böger will die Vorklassen mit Ende des Schuljahres abschaffen, womit auch das Aufgabengebiet der Mitarbeiter wegfällt. Deshalb sei das Land nicht mehr dazu verpflichtet, das volle Gehalt weiterzuzahlen, so ein Sprecher der Senatsfinanzverwaltung.

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Montag, 28. Februar 2005

Erzieher sollen auf Teil des Gehaltes verzichten

Neue Aufgaben für 600 Vorklassenleiterinnen

Von Christa Beckmann

Bildungssenator Klaus Böger (SPD) könnte ein neuer juristischer Streit ins Haus stehen. Denn ein großer Teil der etwa 600 Vorklassenleiterinnen des Landes soll über kurz oder lang auf einen Teil ihres Gehaltes verzichten. Sollte es derartige Änderungskündigungen geben, will die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) klagen.

Hintergrund: Böger will die Vorklassen mit Ende dieses Schuljahres abschaffen und die etwa 600 Vorklassenleiterinnen in die Arbeit in der neuen Schulanfangsphase integrieren. "Damit fällt das Aufgabengebiet dieser Mitarbeiter weg. Das Land ist deshalb nicht verpflichtet, die volle Gehaltssumme weiter zu zahlen", sagte der Sprecher der Senatsfinanzverwaltung, Matthias Kolbeck.

Man habe sich mit der Bildungsverwaltung aber auf einen Kompromiß verständigt. Vorklassenleiterinnen, die bereits länger als zehn Jahre im Landesdienst beschäftigt sind, sollen danach - zeitlich befristet - eine Zulage erhalten, die die Differenz zwischen dem alten und dem neuen Gehalt ausgleicht. Für diejenigen, die noch nicht so lange dabei sind, werde es eine einmalige Prämie geben. Über die Höhe dieser Zuwendung wollte Kolbeck ebenso wenig sagen wie über die Dauer der zeitlichen Befristung.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll die Frist fünf Jahre betragen. "Der größte Teil der Betroffenen ist aber schon länger als zehn Jahre dabei", sagte der Sprecher der Senatsfinanzverwaltung. Auf welcher Basis die Vorklassenleiterinnen dann später vergütet werden, hänge von ihrer Tätigkeit in der Schule ab.

Genau das ist allerdings noch unklar. "Die Vorklassenleiterinnen sind Erzieherinnen. Sie dürfen alles machen, was mit Erziehen von Kindern zu tun hat, aber sie dürfen keine Lehrer ersetzen", sagte ein Sprecher des Bildungssenators. An einer genauen Arbeitsplatzbeschreibung werde noch gearbeitet. Fest steht nach Informationen dieser Zeitung auf jeden Fall, daß sie nicht mehr eigenständig arbeiten sollen. Genau für einen solchen eigenverantwortlichen Einsatz in Vorschulen und ersten Klassen waren die Vorklassenleiterinnen aber durch eine Zusatzausbildung qualifiziert worden. Sie bekommen deshalb auch mehr Geld als normale Erzieherinnen.

"Es ist pädagogisch völlig unsinnig, die Vorklassenleiterinnen künftig nur noch für die Betreuung von Kindern einzusetzen", moniert Ilse Schaad vom GEW-Vorstand. Zudem habe die Zusatzqualifikation das Land zu viel Geld gekostet, um diese dann brach liegen zu lassen.

Auch die CDU und der Verband Bildung und Erziehung hatten kürzlich davor gewarnt, die Vorklassenleiterinnen künftig nur noch als "Lückenbüßer" an den Grundschulen einzusetzen.

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Donnerstag, 24. Februar 2005

Volksentscheide in den Bezirken

SPD, PDS, Grüne und FDP einig über mehr Einfluß für die Bürger - Senkung des Wahlalters vorerst vom Tisch

Von Joachim Fahrun

Die Themen direkte Demokratie und Beteiligung der Bürger eignen sich gut für Sonntagsreden, in denen häufig die wachsende Politikverdrossenheit beklagt wird. Wenn es aber darum geht, aktiven Bürgern über das Kreuzchen alle vier Jahre hinaus Entscheidungs- und Initiativrechte zu überlassen, halten Politiker aller Ebenen gern ihren Einfluß fest. Jahrelang haben Berlins Parteien intern und untereinander um die Einführung von Bürgerentscheiden in den Bezirken gerungen. Endlich ist der Weg frei für kommunale Auseinandersetzungen, die andernorts längst selbstverständlich sind. Niemand muß Angst haben vor einer Minderheitendiktatur. Unsinnige Privatinitiativen haben kaum Chancen, wie Beispiele aus anderen Städten zeigen. Außerdem sind die zur Abstimmung zugelassenen Themen begrenzt. Darum muß es weiter gehen: Wer die Zivilgesellschaft wirklich ernst nimmt, muß auch die Verhinderungsklauseln für Volksbegehren auf Landesebene schnellstens streichen.

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Donnerstag, 24. Februar 2005

Bürger ernst nehmen

Von Joachim Fahrun

Die Themen direkte Demokratie und Beteiligung der Bürger eignen sich gut für Sonntagsreden, in denen häufig die wachsende Politikverdrossenheit beklagt wird. Wenn es aber darum geht, aktiven Bürgern über das Kreuzchen alle vier Jahre hinaus Entscheidungs- und Initiativrechte zu überlassen, halten Politiker aller Ebenen gern ihren Einfluß fest. Jahrelang haben Berlins Parteien intern und untereinander um die Einführung von Bürgerentscheiden in den Bezirken gerungen. Endlich ist der Weg frei für kommunale Auseinandersetzungen, die andernorts längst selbstverständlich sind. Niemand muß Angst haben vor einer Minderheitendiktatur. Unsinnige Privatinitiativen haben kaum Chancen, wie Beispiele aus anderen Städten zeigen. Außerdem sind die zur Abstimmung zugelassenen Themen begrenzt. Darum muß es weiter gehen: Wer die Zivilgesellschaft wirklich ernst nimmt, muß auch die Verhinderungsklauseln für Volksbegehren auf Landesebene schnellstens streichen.

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Donnerstag, 24. Februar 2005

Mehr Mitbestimmung

Von Joachim Fahrun

Bürgerentscheid
Alle in der Regelungskompetenz der Bezirke liegenden Fragen sollen künftig auch durch Bürgerentscheide abgestimmt werden können. Das ist in anderen Kommunen längst möglich.
Mögliche Themen
Klassische Bezirksaufgaben sind Parkraumbewirtschaftung, Umgang mit Grünflächen, Bauplanung, Jugend- und Sozialprojekte, Entscheidung über Standorte von Schulen oder Kitas.
Niedrige Hürden
Drei Prozent der Wahlberechtigten müssen ihre Unterschrift für ein Anliegen leisten. An der Abstimmung im Bürgerentscheid müssen 15 Prozent teilnehmen. Die einfache Mehrheit entscheidet.

jof

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Samstag, den 12. Februar 2005

Tulpen für bessere Schulen

Kreuzberg

Kaputte Tische und Stühle, stinkende Toiletten, veraltetes Material - Berliner Schulen befinden sich in einer desolaten Situation. Geld zur Behebung der Mißstände ist nicht vorhanden. Deshalb wollen Eltern und Schüler aus acht Bezirken nun selbst etwas einnehmen. An diesem Wochenende und am Montag, dem Valentinstag, starten sie die Aktion "Tulpen für Tische": Schüler und Eltern verkaufen jeweils ab 8 Uhr an 30 Plätzen, Bahnhöfen und auf Wochenmärkten Tulpen, Schokoladenpräsente und Grußkarten zum Valentinstag.

Unterstützt wird die Aktion bisher vom Berliner Blumengroßmarkt in Kreuzberg, der 8000 Tulpen und Verpackungsmaterial gesponsert hat, sowie den Hussel-Süßwaren-Fachgeschäften, die 1000 Goldtaler und 500 Lollys zur Verfügung stellten.

RAA

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Freitag, den 10. Februar 2005

Weniger Geld für Schulhorte

Für die Verlagerung der Nachmittagsbetreuung fehlen den Bezirken 35 Millionen Euro - Gravierende Raumprobleme

Von Florentine Anders

In den Schulen wird es eng. Nicht nur der kommende Großjahrgang, auch die künftige Nachmittagsbetreuung schafft Raumprobleme.
Bis zum Jahr 2007 soll die Übertragung der Horte an die Schulen abgeschlossen sein, doch das Geld aus dem Investitionsprogramm der Bundesregierung für den Umbau reicht nicht aus. Insgesamt hatten die Bezirke 199 Millionen Euro für die baulichen Maßnahmen beantragt, aber nur 164 Millionen können verteilt werden. In Tempelhof-Schöneberg etwa fehlen mehr als sechs Millionen Euro für die nötigen Umbauten. "Wir können die Verlagerung der Horte nicht vollständig abschließen", sagt Roger Gapp, Schulplaner des Bezirks. Alle Sonderschulen habe die Senatsverwaltung aus dem Programm gestrichen. Zudem müssen einige Schulen nachmittags auf Kitas ausweichen, was ursprünglich lediglich als Zwischenlösung geplant war. In der Ludwig-Heck-Grundschule mußten sogar Unterrichtsräume umgewandelt werden, da in der Nähe keine Kita für den Hort zur Verfügung stand. "Dafür können jetzt weniger Klassen aufgemacht werden, Schüler müssen aus dem Wohngebiet im Bezirk verteilt werden", sagt Gapp.

Auch der Bezirk Mitte muß zurückstecken. Mehr als drei Millionen Euro fehlen. "Wir versuchen trotzdem, alle Schulen in offene Ganztagsschulen umzuwandeln", verspricht der Schulamtsleiter Jürgen Willuhn. Allerdings müßten die Schulen auch in Mitte stärker auf Kita-Gebäude zurückgreifen.

So kann das ehemalige Lehrerwohnhaus auf dem Schulhof der Trift-Grundschule und Herzog-Grundschule nicht wie geplant zum Hort umfunktioniert werden. Statt dessen wandern die Kinder nachmittags in die Kita an der Tegeler Straße.

In Steglitz-Zehlendorf müssen die Kinder nachmittags näher zusammenrücken. "Statt der ursprünglich vorgegebenen 150 Quadratmeter für die Speisesäle, planen wie jetzt mit Räumen von 50 Quadratmetern. Dafür müssen die Schüler dann in drei Schichten essen gehen", sagt Bildungsstadtrat Erik Schrader (FDP). Auch die Doppelnutzung von Unterrichtsräumen und Horträumen werde teilweise aufgeweicht, indem Räume für den Teilungsunterricht auch für Hausaufgaben vorgesehen seien.

Entspannter sieht die Situation in den östlichen Bezirken aus. Dort sind in den Schulen meist Räume für Hort und Essensversorgung vorhanden, da die offene Ganztagsschule in der DDR Standard war.

Die Senatsbildungsverwaltung setzt darauf, daß die tatsächlichen Baukosten geringer ausfallen würden als die jetzigen Schätzungen und so die flächendeckende Hortverlagerung trotz der jetzt fehlenden 30 Millionen Euro erfolgreich sein könne.


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Freitag, den 10. Februar 2005

Lehrernachwuchs kehrt Berlin den Rücken

Von Christa Beckmann


Sie kamen mit Koffern, Rucksäcken und Transparenten. Darauf stand "Bildung nach Pisa wird immer misa", "Ausgebögert!" oder schlicht "Tschüs - ich gehe nach Hamburg!" Etwa 250 Referendare und Nachwuchslehrer haben gestern am Bahnhof Zoo der Bundeshauptstadt symbolisch den Rücken gekehrt - aus Protest gegen die Einstellungspolitik des Landes. "Wir werden nur vertröstet", ärgert sich Stefanie Bartsch. "Aber die Einstellungszahlen sind immer weiter nach unten korrigiert worden." Dabei wird die 30 Jahre alte Berufsschullehrerin, die ihr zweites Staatsexamen in den Fächern Agrarwirtschaft und Mathematik mit der Note 1,6 abgeschlossen hat, in Berlin dringend benötigt. Denn den Berufsschulen fehlen Lehrer, ebenso wie den Sonderschulen.

Aber auch an den anderen Schulen sieht es nicht besser aus. Nach einer Berechnung der Lehrergewerkschaft GEW haben 151 der 794 allgemeinbildenden Schulen in Berlin zu wenige Lehrer, 24 weitere haben keinerlei Vertretungsreserve. Statt der ursprünglich geplanten 750 Lehrer will der Senat zum neuen Schuljahr allerdings nur maximal 160 einstellen. "Tatsächlich ausgeschrieben ist davon allerdings noch keine Stelle", bedauert Matthias Jähne von der GEW. Es gebe lediglich Ausschreibungen für sechs befristete Stellen, um die dringendsten Löcher bis zu den Sommerferien zu stopfen. Viele der Junglehrer, die Berlin für teures Geld ausbilde, gingen in andere Bundesländer, mahnt die GEW: "Berlin geht der Nachwuchs verloren."

Unterstützung in ihrer Kritik bekommen die Junglehrer von der Opposition. "Es werden pädagogische Verbesserungen versprochen, es werden kleinere Klassen in sozialen Brennpunkten angekündigt, aber neue Lehrerstellen werden nicht geschaffen", moniert der grüne Bildungsexperte Özcan Mutlu - und findet darin Unterstützung bei seiner Fachkollegin von der FDP. "Der Senator wird nicht halten können, was er verspricht, wenn er junge, gut ausgebildete Lehrer aus der Stadt treibt", prophezeit Mieke Senftleben. Die Berliner Lehrerschaft sei bereits heute überaltert, mahnt die schulpolitische Sprecherin der CDU, Katrin Schultze-Berndt. Zudem seien die Ansprüche an die Pädagogen und die Belastung, beispielsweise durch die verordnete Mehrarbeit, gestiegen.

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Freitag, den 04. Februar 2005

Wowereit erteilt Böger eine Abfuhr

von Joachim Fahrun

Keine zusätzlichen Lehrer für Schulen - Personalbedarf muß durch Umschichten gedeckt werden


Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat den Forderungen von Bildungssenator Klaus Böger (SPD) nach mehr Ressourcen und mehr Personal für die Schulen eine Absage erteilt. Nach der Senatsklausur zur Vorbereitung der Hauhaltsberatungen sagte Wowereit, die Landesregierung werde am beschlossenen Einstellungskorridor für alle Ressorts festhalten. "In den 1500 Stellen jährlich ist auch der Bildungsbereich enthalten", so Wowereit.

Es gehe nicht um das Rufen nach neuen Lehrerstellen, sondern um den besseren Einsatz von Ressourcen, sagte Wowereit an die Adresse des Bildungssenators, der mit seinen Alleingängen vor der Senatsklausur die Kollegen verärgert hatte. Möglicher Personalbedarf an einigen Stellen müsse auch durch Umschichtungen im Bildungsetat selbst befriedigt werden, stellte Wowereit klar. Ganz wollte der Regierungschef dem Parteifreund Böger aber nicht im Regen stehen lassen: "Für das eine oder andere Projekt könnte es eventuell mehr Personal geben", sagte Wowereit.

Insgesamt werde der Personalabbau auch 2006 und 2007 im gleichen Umfang wie bisher weitergehen. Über die Legislaturperiode will die rot-rote Koalition 12 500 Stellen streichen. Der generelle Einstellungsstop wird laut Wowereit auch 2006 bestehen bleiben.

Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) hatte den Senatoren in der Klausursitzung im Roten Rathaus die Grundlagen für den Doppelhaushalt 2006/2007 vor Augen geführt. Nach den Worten Wowereits bestehe für diese beiden Jahre gegenüber der Finanzplanung des Senats noch ein "Klärungs- und Konsolidierungsbedarf" in einer Größenordnung, die zwar eine Herausforderung, aber zu bewältigen" sei. Konkreter wollte der Regierende auch auf Nachfrage nicht werden.

Finanzpolitiker der Koalition hatten den Einsparbedarf zuvor auf knapp 100 Millionen Euro für 2006 und etwas mehr für 2007 beziffert. Dieser ergebe sich vor allem, weil die Steuereinnahmen hinter den früheren Prognosen zurückbleiben dürften. Auch Wowereit bestätigte, daß die Einnahmeerwartungen im laufenden Jahr korrigiert werden müßten. Weitere Einsparungen erwartet der Senat von einer Ausweitung des Gebäudemanagements. Trotz anfänglicher Skepsis verabredete der Senat gestern, weitere Gebäude aus dem Fachvermögen der Senatsressorts an die landeseigene Berliner Immobilien Management GmbH (BIM) zu überführen.

"Die BIM ist erfolgreich", betonte Wowereit. Bis 2006 würden Einsparungen auf 38 Millionen Euro anwachsen. Ab 1. Juli werden auch die Gerichtsgebäude an die BIM übertragen, zum 1. Januar 2006 sollen ein Drittel der vom Bildungssenator verwalteten Oberstufenzentren und Spezialschulen folgen. 2007 werde die BIM auch die Gebäude der Feuerwehr und der Polizei übernehmen, kündigte Wowereit an.

 

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Freitag, den 04. Februar 2005

"Ich darf nur Mangel verwalten"

Leiter der Martin-Buber-Oberschule sieht Eigenständigkeit verhindert

Die Martin-Buber-Oberschule ist eine Vorzeigeschule. Von Schülern wurde die Spandauer Gesamtschule zu Berlins beliebtester Schule gewählt, und sie erprobt das Zukunftsmodell "Eigenverantwortliche Schule". Doch das einzige, was die Schule derzeit eigenständig tun darf, sei den Mangel zu verwalten, sagt Schulleiter Elmar Kampmann. "Mir fehlen 112 Lehrerstunden pro Woche." Das bedeute 94 Prozent Lehrerversorgung. Dabei habe das Land der Schule im Zuge des Modellversuchs 101 Prozent zugesichert, plus zwei Prozent in bar - zum "Einkauf" von Vertretungslehrern in Krankheitsfällen. Im Gegenzug garantiert die Schule nicht mehr als zwei Prozent Unterrichtsausfall. "Wie soll ich das einhalten?" fragt sich Kampmann jetzt.

Mit den "Notgroschen" hat er vier arbeitslose Junglehrer eingekauft, um wenigstens die Grundversorgung zu sichern. Obwohl zusätzlich noch Lehrer Überstunden machen, sind elf Stunden Biologie noch nicht abgedeckt. Kampmann ist "bitter enttäuscht, daß die Schulen im Widerspruch zum neuen Schulgesetz und den Vorgaben des Modellversuchs so wenig Eigenständigkeit haben." Sie dürften nicht einmal bei der Personalauswahl mitreden. Obwohl den Modellschulen versprochen worden sei, sie könnten sich neue Kollegen nach ihren Erfordernissen aussuchen, seien zwei entsprechende Anträge jetzt abgelehnt worden.

chb

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Samstag, 29. Januar 2005

Bildungssenator verpaßt Schulräten einen Maulkorb

Nach den Schulleitern hat Bildungssenator Klaus Böger (SPD) nun auch seinen Schulräten einen Maulkorb verpaßt. In einem Rundschreiben teilt der Senator den Beamten mit, daß alle Anfragen seitens der Medien "unverzüglich und ohne ein vorhergehendes Fachgespräch mit den Medien direkt an die Pressestelle" weiterzuleiten sind. Sollte in Ausnahmefällen doch mal ein telefonischer Kontakt zwischen Medien und Mitarbeitern erforderlich werden, heißt es in der Anordnung weiter, "führt der Mitarbeiter dieses Telefonat in der Regel in der Pressestelle im Beisein einer der Pressesprecher". Mit Verweis auf das Schreiben wollte sich gestern kein Schulrat äußern.

chb

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Montag, 31. Januar 2005 / Rubrik Jugend

Tulpen für Tische

Die Haushaltsmittel für Berlins Schulen sind knapp, Ausstattung und Inventar häufig veraltet und kaputt. Insbesondere die Grundschulen benötigen im Herbst zusätzliches Mobiliar, wenn deutlich mehr Erstkläßler eingeschult werden als sonst: Zum neuen Schuljahr wird das Einschulungsalter heruntergesetzt. Die berlinweite Aktion "Tulpen für Tische", organisiert von Eltern aus der Rothenburg-Grundschule, will mit Unterstützung Berliner Unternehmen helfen. Die Idee: Eltern und Schüler sollen am Valentinstag und am Wochenende davor Tulpen, Schokolade und Grußkarten verkaufen. Der Erlös kommt der Ausstattung der teilnehmenden Schulen zugute. Weitere Mitstreiter/ Schulen werden gesucht, Infos unter Tel. 84 41 58 85.

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Donnerstag, 20. Januar 2005

Neue Studie: Grundschüler in Berlin haben große Defizite

Vergleichstest in sieben Bundesländern offenbart Schwächen in Mathematik und Deutsch

Berlin - Berlins Grundschüler haben bei einem Vergleichstest aller Viertkläßler in sieben Bundesländern schlecht abgeschnitten. Geprüft wurden Deutsch und Mathematik. Bei der Untersuchung unter Leitung der Universität Landau landeten die Grundschüler der Hauptstadt beim Anteil der Schüler, die anspruchsvolle Aufgaben lösen können, in allen getesteten Bereichen unter dem Länderdurchschnitt.

Besondere Defizite zeigen sich im Sachrechnen. 43 Prozent der etwa 28 000 getesteten Berliner Viertkläßler konnten nur Aufgaben mit Minimalanforderungen lösen. Damit hält Berlin in dieser Disziplin den Negativrekord. Allerdings hat Berlin unter allen verglichenen Ländern auch den höchsten Anteil an Viertkläßlern nicht deutscher Herkunftssprache.

Deutlich besser schnitten die Brandenburger Grundschüler ab. Bildungsminister Holger Rupprecht (parteilos) zeigte sich "zufrieden, aber nicht sehr zufrieden". Es gebe noch zu viele Kinder mit zu geringer Kompetenz im Lesen und Rechnen.

An dem Projekt VERA (VERgleichsArbeiten) haben sich neben Berlin die Länder Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen beteiligt. Für Überraschung sorgten die überdurchschnittlichen Leistungen der Schüler in Mecklenburg-Vorpommern. Getestet wurden insgesamt etwa 268 000 Schüler an fast 6000 Grundschulen.

Für ein Ranking der Länder sei die Untersuchung nicht geeignetet, betonen die Autoren ausdrücklich. Der Vergleich solle vielmehr den Lehrern Hinweise darauf geben, wo Stärken und Schwächen liegen und sei deshalb ein Instrument zur Qualitätssicherung der Lehre.

Die Berliner Senatsbildungsverwaltung wollte sich gestern nicht zum Abschneiden der Hauptstadt-Schüler äußern. Sie verwies auf eine Pressekonferenz in der nächsten Woche.

Noch keine Angaben gibt es von der Verwaltung auch darüber, wie viele Lehrer zum kommenden Schuljahr tatsächlich eingestellt werden. Fest steht bislang offenbar nur: Es werden deutlich weniger sein als die 750, mit denen Bildungssenator Klaus Böger (SPD) anfangs gerechnet hatte.

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Donnerstag, 20. Januar 2005

Grundschulen sollen nur 19 neue Lehrer bekommen

Christa Beckmann

Im Internet wirbt der Senat um Lehrernachwuchs, aber eingestellt wird kaum jemand. Statt der 750 Pädagogen, die ursprünglich zum nächsten Schuljahr neu anfangen sollten, werden es voraussichtlich nur 160 werden: 80 für die allgemeinbildenden und 40 für die berufsbildenden Schulen.

Über die Ausschreibung von 40 weiteren Stellen will die Senatsverwaltung nach Angaben der Lehrergewerkschaft GEW noch kurz vor Schuljahresende entscheiden. Aber selbst diese Zahlen sind vom Finanzsenator noch nicht abgesegnet. Besonders bitter sieht es für die Grundschulen aus, die nach den Sommerferien in ein Reformschuljahr starten sollen. Nach den Ausschreibungszahlen, die dem Gesamtpersonalrat von der Verwaltung vorgelegt wurden, erhalten sie nur 19 neue Lehrer. "Und das auch nur für die Fächer Musik und Englisch", sagt Rose-Marie Seggelke, Vorsitzende des Gesamtpersonalrats. Für die Hauptschulen sollen fünf Stellen ausgeschrieben werden, für Gymnasien 19, Gesamtschulen elf, Sonderschulen fünf, staatliche Europaschulen 20 und Realschulen eine Stelle.

"Mit diesen Zahlen ist das Projekt der neuen Schulanfangsphase zum Scheitern verurteilt", sagt Rose-Marie Seggelke. Allein für die 13 000 zusätzlichen Erstkläßler im kommenden Schuljahr würden nach Verwaltungsrechnung 650 Lehrkräfte mehr benötigt. Die Absicht von Bildungssenator Klaus Böger (SPD), diesen Bedarf mit überzähligen Lehrern aus der Mittelstufe zu decken, sei "bildungspolitisch völlig falsch". Vielen dieser Kollegen fehle die Erfahrung mit so kleinen Kindern.

Ähnlich düster sehen die Berufsschullehrer in die Zukunft. "Für Wirtschaftslehre gibt es nur zwei neue Stellen", sagt Peter Sinram von der GEW. Obwohl der Bedarf riesig sei: "Es wird massiven Unterrichtsausfall geben." Die Senatsverwaltung schweigt derweil. Endgültige Einstellungszahlen stünden noch nicht fest, heißt es dort.

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Donnerstag, 20. Januar 2005

Nicht einmal Durchschnitt

Berliner Viertkläßler schneiden in Mathematik und Deutsch schlecht ab

Von Christa Beckmann

Die Ergebnisse können nicht zufriedenstellen: Berlins Viertkläßler liegen im Vergleich zu ihren Altersgenossen aus sechs anderen Bundesländern in Deutsch und Mathematik zurück. Das hat eine Untersuchung gezeigt, an der alle 28 000 Berliner Viertkläßler teilgenommen hatten. Getestet wurde in den Disziplinen Arithmetik, Geometrie, Sachrechnen, Lesen, Schreiben, Sprachbetrachtung und Rechtschreibung.

Der Prozentsatz der Schüler, der in diesen Disziplinen anspruchsvolle Aufgaben lösen kann, ist in Berlin nicht nur kleiner als im Schnitt der Länder. Die Hauptstadtschüler halten in fast allen Bereichen sogar die rote Laterne, wenn es um die Quote der Spitzenschüler geht. Nur in Lesen und Rechtschreibung hat Bremen noch weniger gute Schüler. Allerdings haben die vierten Klassen in Berlin auch den mit Abstand höchsten Anteil an Migrantenkindern im Ländervergleich. Jedes dritte getestete Kind kommt zudem nach Angaben der Studienautoren aus einer unteren sozialen Schicht. Vergleicht man nur die Leistungen der deutschsprachigen Kinder, schneidet Berlin besser ab.

Die Sprachprobleme sehen Lehrer denn auch als einen Grund für das magere Resultat. "Für unsere Kinder bedeuten deutsche Redewendungen in den Aufgabenstellungen schon ein riesiges Verständnisproblem", sagt Ulf Schröder, Leiter der Schöneberger Neumark-Grundschule, an der 94 Prozent Kinder nicht deutscher Herkunft lernen. Zudem sei der Zeitpunkt des Tests Anfang der Klasse vier nicht gut gewählt gewesen. Nach der dritten Klasse hätten viele Kinder einen Lehrerwechsel gehabt. "Es wäre besser gewesen, den Test Ende der Klasse drei zu schreiben." Schröder plädiert für einen Austausch der Ergebnisse zwischen den Ländern, um voneinander zu lernen. Daß das Berliner Resultat kein Ruhmesblatt ist, bestätigt auch ein Mitarbeiter der Senatsbildungsverwaltung: "Es besteht ein erheblicher Qualitätsverbesserungsbedarf."