Presse

 

Montag, 11. Februar 2008

33 Schulen sammeln Geld für Sanierung
Aktion „Tulpen für Tische“ startet am Valentinstag

sve

Zum vierten Mal machen Berliner Schulen am Valentinstag auf bauliche Missstände und Mängel in der Ausstattung aufmerksam. Zu diesem Zweck werden Schüler, Eltern und Lehrer von 33 Schulen an 60 Orten in der Stadt insgesamt 40 000 Tulpen gegen Spenden verteilen. Die Architektin und Initiatorin Astrid Lohss begründet die Aktion damit, dass nach wie vor gesperrte Turnhallen und Toiletten, undichte Dächer, kaputte Fenster, Raumnot und Dauerprovisorien „zum traurigen Alltag von Berliner Schülern gehören“. Das wirke sich auf das gesamte Schulleben und den Lernerfolg negativ aus. Lohss verweist darauf, dass der Sanierungsbedarf der Berliner Schulgebäude vom Landesrechnungshof mittlerweile auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt wird. Wo und wann man am kommenden Donnerstag, dem Valentinstag, und am Wochenende danach Tulpen kaufen kann, ist auf der Internetseite www.tulpen-fuer-tische.de nachzulesen.

Die Initiatoren hatten die Aktion im Jahr 2005 ins Leben gerufen und dafür Kontakte zum Blumengroßmarkt geknüpft. Damals waren vor allem Schulen aus Steglitz-Zehlendorf beteiligt, inzwischen weitet sich „Tulpen für Tische“ auch auf andere Bezirke aus. sve

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Dienstag, 22. Januar 2008

Aktion ,Tulpen für Tische’ startet erneut

Tsp

Am Valentinstag und am darauffolgenden Wochenende verkaufen Schüler, Eltern und Lehrer wieder Tulpen. Sie wollen mit ihrer Aktion ,Tulpen für Tische’ zum 4. Mal auf bauliche Missstände und gravierende Mängel in der Ausstattung ihrer Schule aufmerksam machen und sich ein wenig selbst helfen, denn gesperrte Turnhallen und Toiletten, undichte Dächer, defekte Fenster gehören nach wie vor zum Alltag der Schulen.

Auf der Website www.tulpen-fuer-tische.de können sich Schulen, die mitmachen wollen, bis zum 26. Januar informieren und anmelden. Weitere Fragen von Schulen beantwortet Ursula Reher von der Eosander-Schinkel-Grundschule per E-Mail: tufti.u.reher@gmx.de. Tsp

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Mittwoch, 17. Januar 2007

Private sollen Schulen übernehmen

Drei Bezirke prüfen Teilprivatisierung von Gebäuden – um Geld zu sparen

Rainer W. During

Viele Berliner Schulen sind in erbärmlichem Zustand. Der Sanierungsbedarf liegt bei etwa 1,5 Milliarden Euro – doch die Landeskasse ist leer. Als letzter von drei Musterbezirken hat jetzt Reinickendorf eine Machbarkeitsstudie zur Teilprivatisierung der Unterrichtsgebäude gestartet. Sie ist der erste Schritt für die mögliche Vergabe der Gebäudeunterhaltung im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften (ÖPP).

Allein Reinickendorf bräuchte etwa 80 Millionen Euro. Doch nur maximal drei Millionen Euro erhält der Bezirk jährlich aus dem Schul- und Sportanlagensanierungsprogramm des Senats. Dazu kommen noch einmal rund 5,5 Millionen Euro an Unterhaltungsmitteln für sämtliche öffentlichen Gebäude.

Zum ThemaDossier: Brennpunkt SchuleJetzt wird geprüft, ob sich mehr erreichen lässt, wenn Privatfirmen die Verantwortung für die Gebäude übernehmen. Im Rahmen langfristiger Verträge sollen sie den Unterhalt der Schulen im Rahmen langfristiger Verträge zu Festbeträgen übernehmen. Und dringend notwendige Sanierungs- und Ausbaumaßnahmen vorfinanzieren. Im Ausland und in anderen Bundesländern hat sich diese Form das Public-Private-Partnership bereits bewährt.

Firmen mit langfristigen Verträgen wären bereit, auch teurere Materialien einzusetzen, weil sich das über einen größeren Zeitraum rechnet, sagte Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura (CDU). Die öffentliche Hand sei dagegen gezwungen, immer den billigsten Weg zu gehen. Bis Ende März soll die VBD Beratungsgesellschaft für Behörden jetzt ermitteln, ob sich das Modell für Reinickendorf rechnet. Angaben zu den Kosten der Studie wurden nicht gemacht, Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammer fördern das Projekt mit 5000 Euro.

Im Gegensatz zu den beiden anderen Musterbezirken hat Reinickendorf zehn Schulen aus allen Zweigen benannt, so Marlies Wanjura. Es handelt sich um die Fließtal- und die Chamisso-Grundschule, das Bertha-von-Suttner- und das Georg-Herwegh-Gymnasium, die Paul- Löbe- sowie die Julius-Leber-Hauptschule zusammen mit der Franz-Marc- Gesamtschule, die Carl-Benz- und die Max- Eyth-Realschule in Gebäudeeinheit mit der Johannes-Lindhorst-Hauptschule, die Bettina-von-Arnim-Gesamtschule und die Toulouse-Lautrec-Sonderschule.

Bereits im Vorjahr hatte in Spandau ein Gutachten der Technischen Universität deutliche Vorteile ergeben. Bei einer Laufzeit von 25 Jahren und einem Bauwert von 113 Millionen Euro für zehn Standorte würde die Landeskasse unter dem Strich sogar 5,7 Millionen Euro sparen. Die Studie in Treptow-Köpenick ist noch nicht abgeschlossen.

Die Ergebnisse der drei Bezirksstudien werden ausgewertet. Nach Diskussion in Senat und Abgeordnetenhaus könnte dann frühestens in einem Jahr eine Ausschreibung der ersten Schulgebäude erfolgen, hieß es bei der Senatsverwaltung für Finanzen. Rainer W. During

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Dienstag, 07. Februar 2006

Tulpen für marode Schulen

Die Bezirke haben kein Geld – jetzt sanieren Väter und Mütter Schulen selbst

tol

Um Geld für die Verschönerung ihrer Schulräume einzunehmen, können Schulen wieder an der Aktion „Tulpen für Tische" teilnehmen. Bis zum 9. Februar können Interessierte die Blumen zu einem Preis von zehn Cent pro Stück erwerben, die sie vom 11. bis zum 14. Februar an Verkaufsstände zugunsten ihrer Schule zu einem höheren Preis weiterverkaufen können. Weitere Informationen – auch über die Verkaufsstände – gibt es im Internet unter www.tulpen-fuer-tische.de. tol

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Dienstag, 08. März 2005

Die Eltern legen los

Die Bezirke haben kein Geld – jetzt sanieren Väter und Mütter Schulen selbst

Tsp

Eineinhalb Jahre lang haben Mütter und Väter mit Behörden telefoniert, mit dem Denkmalamt, mit Handwerkern und Sponsoren gesprochen, Entwürfe eingereicht und Briefe geschrieben: Sie haben sich in den Kopf gesetzt, die Aula der Zinnowwald-Grundschule in Zehlendorf zu sanieren. Es regnete hinein, es bröckelte, die Böden waren löcherig, aber das Bezirksamt hatte kein Geld für die Renovierung. Vor einigen Wochen begannen die Handwerker mit der Arbeit.

Die Schule und ihre Aula wurden Ende der 20er Jahre gebaut und stehen unter Denkmalschutz. Im Krieg wurde die Aula als Lazarett genutzt, danach als Krankenhaus und auch mal als Kino. Vor 30 Jahren wurde sie zum letzten Mal saniert. 15000 Euro haben die Eltern von anderen Eltern, von Industriebetrieben und Parteien für die Renovierung bekommen, ein Musiker gab ein Benefizkonzert. Geld für Architekten brauchte man nicht: Ada Kny und Dagmar Wolff- Asche, zwei Mütter der Schule, sind Architektinnen. Sie haben die Arbeiten geplant, Langzeitarbeitslose des Projekts „Integration durch Arbeit“ führen sie durch. Im Mai wird 75-jähriges Bestehen gefeiert – in der strahlenden neuen Aula.

Wie viel Eltern erreichen können, wenn sie selbst zupacken, hat auch die Initiative „Tulpen für Tische“ gezeigt. Mit ihrem Benefizverkauf rund um den Valentinstag hat sie nicht nur Interesse für die maroden Schulen geweckt, sondern auch über 8000 Euro eingenommen. Demselben Zweck dient ein Jazzkonzert, das die Mitbegründerin der „Tulpen für Tische“, Astrid Lohss von der Rothenburg-Grundschule, am 30. April mit dem Botanischen Garten organisiert.

Wie groß der Bedarf ist, zeigte auch die Resonanz auf den Tagesspiegel-Aufruf, Beispiele für marode Schulen zu nennen: Leser berichten von der „abrissreifen“ Turnhalle der Schule im Blumenviertel in Prenzlauer Berg, von defekten WC-Abflüssen in der Lichterfelder Clemens-Brentano-Schule, von „schadstoffbelasteten“ Unterrichtsräumen.

Eine Mutter beschreibt schockiert den „dunkelgrauen Ölanstrich“, die von der Decke hängenden Farbschichten und das uralte Inventar im Weißenseer Bühring-Gymnasium. Jetzt habe aber die Sanierung begonnen. Dass sich im Bühring–Gymnasium seit Jahrzehnten nicht viel getan hat, bestätigt eine Leserin, die dort zur 40jährigen Abiturfeier nicht nur die „mit Rippen verkleideten Neonröhren“, sondern auch die alte Farbe aus ihrer Schulzeit wiedererkannte. clk/sve

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Donnerstag, 24. Februar 2005

„Treffpunkt Tagesspiegel“ zur Schulpolitik

Tsp

„Berliner Schulpolitik – wo bleibt die Qualität?“ ist das Thema des nächsten Treffpunkt Tagesspiegel im Hotel Intercontinental, Budapester Straße 2 in Tiergarten. Am kommenden Montag, dem 28. Februar, debattieren darüber Bildungssenator Klaus Böger (SPD), der Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Schulstiftung Manfred Hermann, die Schauspielerin und Mutter zweier Kinder Susanne Lothar, Hinrich Lühmann, Leiter des Humboldt-Gymnasiums in Tegel, sowie Gerd Appenzeller, Redaktionsdirektor des Tagesspiegel. Die Diskussionsrunde unter der Leitung des ehemaligen Wissenschaftssenators George Turner beginnt um 18 Uhr. Es wird um Anmeldung unter Telefon 27871823 gebeten.

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Dienstag, 16. Februar 2005

Schlechte Note für Bildung in Berlin Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft

ffa

Abgeschlagen auf Rang 15 landeten Berliner Bildungseinrichtungen von der Kita bis zur Uni in der Vergleichsstudie „Bildungsmonitor“ des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft. In Zusammenarbeit mit der arbeitgebernahen „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ wurden alle 16 Bundesländer auf Qualität und Ausgestaltung ihrer Bildungssysteme untersucht. Das wollte die Berliner CDU genauer wissen und lud die Wissenschaftler zur Veranstaltungsreihe „Forum Schulpolitik“ ins Abgeordnetenhaus ein.

An der Spitze des Vergleichs liegen die südlichen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg, so die Autoren Axel Plünnecke und Oliver Stettes. Sachsen-Anhalt, Berlin und Bremen sind die Schlusslichter. Die leeren Kassen der Hauptstadt wirken sich auf das Bildungssystem aus: An Berlin wurden vor allem die geringen Bildungsausgaben und der ineffiziente Einsatz der Finanzmittel kritisiert. So liegen die Bildungsausgaben je Schüler im Verhältnis zu den öffentlichen Gesamtausgaben pro Einwohner deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt. Besonders schlecht ist die Finanzausstattung der Grundschulen.

Weiterer Grund für das schlechte Abschneiden Berlins ist die mangelnde Qualität in der beruflichen Bildung. In Berlin werden bundesweit die meisten Ausbildungen vorzeitig abgebrochen, die Durchfallquote bei Abschlussprüfungen ist am höchsten. Auch bei weiterführenden Schulen wurde die hohe Abbrecherquote bemängelt. Außerdem gingen in Berlin drei von vier Lehrern wegen Berufsunfähigkeit vorzeitig in den Ruhestand, bundesweit war es jeder zweite.

Ein Lichtblick: In der Hochschulbildung steht Berlin auf Rang sechs. Die Universitäten haben eine hohe Attraktivität und gute internationale Beziehungen. Noch ein Pluspunkt: Der Anteil der Schüler in Ganztagesschulen liegt mit 20 Prozent so hoch wie in kaum einem anderen Bundesland. Auch beim Betreuungsverhältnis im Kindergarten liegt Berlin weit über dem Durchschnitt. ffa

Die Studie im Internet:

www.chancefueralle.de

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Dienstag, 14. Februar 2005

DIE AKTION
Marode Schulen: Eltern sammeln für Sanierung

Mängel gehen inzwischen an die Substanz der Gebäude. Spendenaktion ist angelaufen

Susanne Vieth-Entus

Bereits der Verkaufsbeginn am Wochenende war ein großer Erfolg. „Unsere Tulpen sind fast ausverkauft“, berichtet Astrid Lohss von der Steglitzer Rothenburg-Grundschule. Als Architektin war sie derart entsetzt über die Tristesse ihrer Schule, dass sie die Benefizaktion ins Leben rief: Schüler, Lehrer und Eltern verteilen rund um den Valentinstag gegen Spenden 8000 gesponserte Tulpen und Süßigkeiten, um Möbel, Farbe oder Gardinen anschaffen zu können. Lohss hofft, dass durch Aktionen wie „Tulpen für Tische“ das Augenmerk mehr auf die zum Teil „menschenunwürdigen Zustände“ an den Schulen gelenkt wird.
Der Geldmangel wird immer sichtbarer. Waren es früher nur die Klassenzimmer, die mit Hilfe der Eltern rasch gestrichen werden konnten, gehen die Mängel jetzt stärker an die Substanz, weil seit rund 15 Jahren gespart wird. „Wir haben dringenden Sanierungsbedarf von 25 Millionen Euro, bekommen aber nur 3,4 Millionen pro Jahr für 62 Schulen, berichtet Erik Schrader, FDP-Volksbildungsstadtrat in Steglitz-Zehlendorf.
Auch die Architektenkammer ist entsetzt über den Zustand an vielen Schulen. Im Rahmen ihres Projektes „Architektur und Schule“ hat sie bereits an rund 30 Schulen mit tausenden Schülern über die Bedeutung der „gebauten Umwelt“ gesprochen. Am Tiergartener Menzel-Gymnasium bat die Architektin Theresa Keilhacker Zehntklässler, ihre Schule unter ästhetischen und funktionalen Gesichtspunkten zu bewerten. Die aufgestellte Mängelliste reicht von defekten Fahrstühlen und Klimaanlagen über zugige, erblindete Fenster, undichte Decken bis zu kaputten Böden.

Zahlreiche Leser reagierten auf den Aufruf des Tagesspiegels, Beispiele für marode Schulen einzusenden. Da heißt es über die Grundschule am Karpfenteich (Lichterfelde), das nur teilsanierte Dach sei undicht, ebenso einige Fenster, die Außenjalousien defekt. Eine Mutter der Halensee-Grundschule berichtet, dass sie mit Kalkreiniger und Bürsten anrücken musste, damit die Toilette ohne Ekel benutzbar war. Die Otto-Wels- Grundschule (Kreuzberg) klagt über „verwahrloste“ Treppenhäuser.
Die Dunant-Grundschule will jetzt gegensteuern: Eltern haben eine „Kunstbauwerkstatt“ gegründet, in der Ideen für eine Verschönerung der Schule und für die Sponsorensuche gesammelt werden. Am Freitag werden bereits die ersten Ergebnisse des Ideenwettbewerbs vorgestellt und prämiert.

Kennen Sie Beispiele für marode Schulen? Schreiben Sie an abi@tagesspiegel.de

Etliche Schulen setzen am heutigen Valentinstag ihre Spendenaktion „Tulpen für Tische“ fort. Einige bleiben dabei in ihren eigenen Räumen, andere gehen raus:

Rothenburg-Schule:
11 bis 16 Uhr im und am Steglitzer Kreisel.

Grundschule am Teutoburger Platz:
15-18 Uhr Flohmarkt Arkonaplatz u.Mauerpark.

Menzel-Gymnasium: 15-18 Uhr Hardenbergstraße/Ecke
Knesebeckstraße.

Leuschner-Hauptschule:
9-14 Uhr Altstadt und Neustadt Spandau.

Spendenkonto bis Ostern:

Tulpen für Tische, Berliner Volksbank,
Kto.Nr. 33 022 700 22, BLZ 100 900 00. sve

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Dienstag, 01. Februar 2005

Benefizaktion für schönere Klassenräume Eltern verkaufen „Tulpen für Tische“

Susanne Vieth-Entus

Kaputte Bänke, wackelnde Stühle und undichte Fenster: In Berlins Schulen ist überall der Verschleiß sichtbar. Viele Eltern haben sich längst daran gewöhnt, dass ihre Kinder in trister Umgebung lernen müssen und sind schon froh, wenn alle zehn bis 20 Jahre neue Farbe an die Wände kommt. Die Eltern der Steglitzer Rothenburg-Grundschule wollen sich aber nicht damit abfinden, dass die Erstklässler Bauchschmerzen haben, weil sie die marode Toilette meiden, auch nicht damit, dass sie sich an den morschen Möbeln Splitter in die Finger reißen. Aus der Empörung entstand eine Idee: Am Valentinstag (14. Februar) soll es einen Benefiz-Verkauf zugunsten kleiner Verschönerungen und Anschaffungen geben. Den Grundstock für den Verkauf spendet der Vorstandsvorsitzende des Blumengroßmarktes: Peter Skowasch will 8000 Tulpen zum Benefizverkauf beisteuern. Jetzt sind die Eltern auf der Suche nach weiteren Unternehmen, die ihnen helfen und nach Schulen, die bei der Aktion mitmachen wollen (Kontakt über: www.tulpen-fuer-tische.de). Gleichzeitig möchte der Tagesspiegel wissen, welche Schulen besonders marode sind. Schreiben Sie uns an abi@tagesspiegel.de! sve

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Donnerstag, den 20. Januar 2005

Schulsanierung: Böger wirft Bezirken Untätigkeit vor Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg Spitzenreiter bei verschleppten Ausschreibungen für Bauprojekte

Susanne Vieth-Entus

Trotz des maroden Zustandes ihrer Schulen und Sportanlagen haben einzelne Bezirke bis zu zwei Millionen Euro Sanierungsgelder im vergangenen Jahr nicht verbraucht. Dies sei „mehr als ärgerlich“, sagte Bildungssenator Klaus Böger (SPD) gestern gegenüber dem Tagesspiegel. Er gab außerdem bekannt, dass etliche Bezirke bislang noch nicht einmal seiner Bitte nachgekommen seien, ihm die schlimmsten Beispiele defekter Toiletten und undichter Dächer zu nennen.

„Im November haben wir die Bezirke angeschrieben, aber noch nicht von allen Antwort bekommen“, sagte Böger. Er möchte eine Liste mit den besonders dringlichen Fällen zusammenstellen, um möglicherweise ein „Sonderprogramm“ aufzulegen.

Wie gestern berichtet, haben die Bezirke 14,5 von 48 Millionen Euro nicht ausgegeben, die ihnen aus dem Schul- und Sportstättensanierungsprogramm zugestanden hätten. Als Spitzenreiter nannte Böger gestern den Bezirk Mitte: Hier wurden von vier Millionen Euro nur 2,3 investiert. In Friedrichshain-Kreuzberg waren es von 3,3 Millionen nur 1,3 Millionen, also nur wenig mehr als ein Drittel. In Pankow blieben von 4,3 Millionen Euro Sanierungsmitteln immerhin 1,5 Millionen Euro ungenutzt.

Die Bezirke begründen ihren Verzug damit, dass der Landeshaushalt so spät verabschiedet worden sei. Außerdem sei noch die Haushaltssperre dazwischen gekommen. Deshalb sei es nicht möglich gewesen, alle Vorhaben abzuwickeln, sagte die Volksbildungstadträtin von Friedrichshain-Kreuzberg, Sigrid Klebba (SPD). Sie wies darauf hin, dass die nicht verbrauchten Mittel nicht verfallen, sondern 2005 investiert werden können.

So einfach liegt der Fall aber nicht. Finanzstaatssekretär Hubert Schulte (SPD) sagte gestern im Hauptausschuss, es gebe für die fraglichen 14,5 Millionen Euro zwar eine „Ausgabenermächtigung“ zu gunsten der Schulsanierung. Der Betrag selbst müsse aber in 2005 erwirtschaftet werden. Das heißt: Das Geld ist erst dann haushaltstechnisch verbuchbar, wenn in irgendeinem Ressort eine entsprechende Summe eingespart wird.

Die Abgeordneten reagierten auf diese Eröffnung verwundert. Die Finanzverwaltung betonte allerdings, es handele sich dabei um einen ganz normalen haushaltsrechlichen Vorgang.

Die Bündnisgrüne Finanzexpertin Ramona Pop sieht eine Mitschuld Bögers bei dem Dilemma: „Der Senator hätte sich rechtzeitig darum kümmern müssen, dass die Bezirke alle nötigen Ausschreibungen vornehmen und das Geld ausgeben.“ Schließlich handele es sich um ein Senatsprogramm. Es sei nicht richtig, nur den Bezirken die Schuld zuzuschieben. Pop erinnerte daran, dass es einen geschätzten Sanierungsbedarf von 300 Millionen Euro in Schulen und Sportstätten gibt. Deshalb sei es um so gravierender, wenn jetzt Gelder nicht so früh wie möglich ausgegeben würden.

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Mittwoch, den 19. Januar 2005

Gelder für Schulsanierung blieben liegen 14,5 Millionen Euro fanden keine Verwendung

Susanne Vieth-Entus

Schultoiletten stinken zum Himmel, Fenster sind undicht, von den Wänden bröckelt der Putz. Dennoch haben die Bezirke im vergangenen Jahr 14,5 Millionen Euro für die Schulsanierung nicht ausgegeben. Auch die Finanzmittel aus dem Ganztagschulprogramm der Bundesregierung blieben zum Großteil unangetastet. Darauf haben gestern die Bündnisgrünen hingewiesen.

„47,5 Millionen Euro waren für die Sanierung von Schul- und Sportstätten vom Abgeordnetenhaus bewilligt worden, aber nur 33 Millionen wurden ausgegeben“, empört sich die haushaltspolitische Sprecherin der Bündnisgrünen, Ramona Pop. Angesichts der vielen Schulen, die seit Jahren unter ihren maroden Gebäuden leiden, hält sie den Verzug der Bezirke für nicht hinnehmbar.

Die Bezirksstadträte weisen die Kritik zurück. Hauptgrund für den Verzug sei die späte Verabschiedung des Landeshaushalts 2004. Vorher dürften Ausschreibungen nicht vorgenommen werden, erklärt der Volksbildungsstadtrat von Steglitz-Zehlendorf, Erik Schrader (FDP). Dafür seien Gesetze verantwortlich, die nicht in den Bezirken gemacht würden. Zudem passiere es, dass Aufträge neu ausgeschrieben werden müssten. Sein Bezirk hat allerdings fast alles Geld ausgegeben. Nur 150 000 Euro seien übrig geblieben, weil ein Auftragnehmer Bankrott ging und sich bei einer Sportanlage der Baugrund als schwierig erwiesen habe, rechnet Schrader vor.

Anders als in früheren Jahren verfällt das nicht genutzte Geld von 2004 nicht. „Wegen der späten Verabschiedung des Haushalts hat man uns genehmigt, die nicht verbrauchten Mittel erst 2005 auszugeben“, erläutert Neuköllns Baustadträtin Stefanie Vogelsang (CDU). Allerdings habe Neukölln es wie in den Vorjahren geschafft, das Programm voll auszuschöpfen und die dem Bezirk zustehenden 4,4 Millionen Euro auszugeben.

Welche Bezirke den großen Rückstand von 14,5 Millionen Euro zu verantworten haben, war gestern nicht zu erfahren. Die Eltern sind auf jeden Fall fassungslos. „Wir streichen die Klassenräume, immer heißt es, es sei kein Geld da, aber dann erfährt man, dass das Geld nicht ausgegeben wurde“, schimpft Astrid Lohss, die zusammen mit anderen Eltern gerade die Aktion „Tulpen für Tische“ angeregt hat: Zum Valentinstag sollen die gesponserten Blumen in ganz Berlin verkauft werden, um Schulen bei der Anschaffung von Möbeln und der Behebung von Baumängeln zu helfen (mehr zur Elternaktion unter www.tulpen-fuer-tische.de).

Während bei dem Schulstättensanierungsprogramm „nur“ ein Drittel der Gelder nicht ausgegeben wurde, sind es bei dem Ganztagsschulprogramm der Bundesregierung sogar zwei Drittel: Von 48,3 Millionen Euro wurden nur 15,7 verbaut. Dies begründen die Bezirke damit, dass zunächst geklärt werden musste, welche Schulen ein Ganztagsangebot erhalten. Die langen Abstimmungsprozesse in den Gremien ließen keine schnellere Entscheidung zu.

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Mittwoch, den 19. Januar 2005

Geld ist da, Schulen vergammeln

Es stinkt zum Berliner Himmel

Gerd Appenzeller

Die meisten Kinder gehen nicht gerne in die Schule. In Berlin gehen besonders viele Kinder ungern in die Schule. Das liegt nicht daran, dass hier die Kinder besonders doof oder die Lehrer besonders langweilig sind. Das liegt daran, dass viele Berliner Schulen stinken. Klassenräume sind in desolatem Zustand, Toiletten so Ekel erregend, dass Kinder eher in die Hosen machen als auf diese Klos zu gehen. Das alles sei, hören wir seit Jahren, eine Folge der Finanzmisere der Stadt. Für Renovierungen ist kein Geld da. Deshalb packen Eltern und Schüler selber zu.

Seit gestern wissen wir: Das stimmt nur zur Hälfte. Elternhilfe ist zwar immer erwünscht, doch Geld, um Baufirmen zu beauftragen, wäre schon da. Aber aus dem städtischen Sanierungsprogramm für Schul- und Sportstätten haben die Bezirke vergangenes Jahr 14,5 Millionen Euro nicht abgerufen, und von den Bundesmitteln für Ganztagsschulen wurden gar 32,6 Millionen Euro nicht ausgeschöpft. Das sind zusammen 47 Millionen Euro. Schulsanierung ist eine klassische Aufgabe für die mittelständische Bauwirtschaft. Die Arbeitslosenquote in der Berliner Baubranche liegt bei 57 Prozent.

Natürlich gibt es 100 000 Ausreden. Der Haushalt wurde zu spät verabschiedet. Die Bezirke wussten erst Ostern genau, welche Mittel sie bekommen. Ausschreibungen sind kompliziert. Alles wahr – und dennoch geschenkt. Diese Geschichte stinkt zum Himmel. Zwischen Ostern und dem 31. Dezember liegen acht Monate, und was renoviert werden muss, ist ja bekannt. Bei Schülern mit solchen faulen Ausreden würde es heißen: Setzen, 6. Und was passiert in der Politik? Nichts! Wirklich toll!