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Die Geschichte von den Tulpen und den Tischen von Astrid Lohss

Gleich nach den Sommerferien 2004 traf ich in der Rothenburg- Grundschule in Berlin Steglitz die neue Lehrerin meines kleinen Sohnes. Sie schlich suchend um Tische herum. „Was machen Sie denn da?“, fragte ich. Sie klagte: „Ich suche Tische, dabei sollte ich mich diese Woche auf den Unterricht mit meiner neuen 1.Klasse vorbereiten. Ich finde nicht genügend Tische für die Kinder. Und die, die ich finde, sind kaputt. Eigentlich müsste ich die Presse informieren.“
„Da hat sie recht“, dachte ich.

Im August traf sich der Arbeitskreis „Architektur und Schule“ in der Architektenkammer Berlin zum Erfahrungsaustausch. Architekten führen mit Lehrern Projekte in Berliner Schulen durch. Eine Architektin sagte: „Das Ziel unserer Arbeit, Kindern Architektur und deren Bedeutung für das Wohlbefinden der Menschen nahe zu bringen, wird an diesen Lernorten ad absurdum geführt. Wir sollten statt unserer Schulprojekte lieber mal eine Fotodokumentation über den katastrophalen baulichen Zustand von Berliner Schulen machen.“
„Da hat sie recht“, dachte ich.

Auf dem ersten Elternabend in diesem Schuljahr sahen wir Eltern uns die stinkenden, sanierungsbedürftigen Toiletten unserer Erstklässler an, weil die Kinder dort nicht mehr aufs Klo gehen. Wir waren schockiert. Wir hatten die Toiletten der Vorklasse doch gerade in Eigenarbeit liebevoll hergerichtet! „Das sind menschenverachtende Zustände!“, sagte die Elternvertreterin und wurde gleich mit anderen Eltern beim Bezirksamt aktiv
„Da hat sie auch recht“, dachte ich.

Am 22. November fand eine Informationsveranstaltung zum Thema Bildung im Zehlendorfer Rathaus statt. Besorgte Eltern schilderten Bildungssenator Böger die katastrophalen Zustände der Schultoiletten. Herr Böger wandte sich an seine Tischnachbarin Frau Krohm, die bildungspolitische Sprecherin im Bezirk, und sagte:“ Frau Krohm, da müssen wir jetzt aber mal was tun.“
„Da hat er vollkommen recht“ dachte ich.

Leider tat sich nichts - bis ich mit anderen Eltern und Architektinnen dann tätig wurde.

Viele Eltern kennen solche Geschichten über die Not der Schulen. Sie kennen die Wut und den Groll, der dann in einem wächst. Aber Not macht bekanntlich auch erfinderisch!
Wir haben uns entschieden, uns jetzt selbst zu helfen. Aus unseren Groll wurde viel positive Energie. Aus einer Idee wurde ein Projekt, das schnell Mitstreiter unter Eltern und Lehrern fand und für das wir innerhalb von wenigen Wochen Schulen aus acht Berliner Bezirken begeistern konnten!

Tulpen für Tische heißt die Initiative. Am Valentinstag und am Wochenende davor verkaufen auf Plätzen, Straßen und Märkten in Berlin Eltern, Schüler, Lehrer und Architekten Tulpen für Tische. Menschen machen einander mit unserem Valentinstagsgruß eine Freude und helfen gleichzeitig den Berliner Schulen.

Was da zusammenkommt und wie das Farbe in die Schulen bringt, sieht man auf unserer Website www.tulpen-fuer-tische.de. So wird nicht nur Frühlingsfarbe durch Spenden in die Schulen gebracht !

Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung unterstützt unser Projekt und verlieh Tulpen für Tische 2005 das Siegel „Ausgezeichnet Schule gemacht!“